Oh, lodernd Feuer

Der Weg zum Weltstar

Die Rolle des Nero in Mervin LeRoys römischem Sandalenfilm Quo Vadis? bringt 1951 den endgültigen Durchbruch in Hollywood. Peter interpretiert die Rolle des wahnsinnigen, dekadenten Despoten auf eine so göttliche Weise, dass er noch Jahrzehnte später, nämlich 1999, von der italienischen Regierung zur feierlichen Wiedereröffnung der restaurierten, einst unter Kaiser Nero erbauten Villa Aurea eingeladen wird – mit dem Vermerk: „Dieses Ereignis wäre ohne die Anwesenheit des ursprünglichen Besitzers besagter Villa undenkbar.”

Und das ist erst der Startschuss für Peter Ustinovs Leinwandkarriere. Insgesamt brilliert er 46mal in Filmen, fast noch einmal so viele TV-Produktionen kommen hinzu – eine wahrhaft stattliche Anzahl an filmischen Arbeiten.

Als nächste Filmproduktionen stehen Lola Montez (der letzte Max Ophüls-Film) und der Komödien-Klassiker mit Humphrey Bogart, Wir sind keine Engel (beide 1955), an. Außerdem wird Peters Stück Romanoff und Julia mit großem Erfolg uraufgeführt und später verfilmt (1961).

Der Anfrage einer amerikanischen Monatszeitschrift verdankt Peter Ustinov den ersten Ausflug ins Universum der Prosa: Er schreibt eine Kurzgeschichte über die Landung der Schweizer (!) auf dem Mond. Die Geschichte kommt bestens an, sieben weitere folgen – dann lässt die Schreiberei ihn nicht mehr los. Nach eigenem Bekunden wird sie ihm sogar von all seinen „eroberten” Kunstgattungen die liebste. Entsprechend sind bis zum Ende der Sechziger Jahre bereits zwei Kurzgeschichtenbände erschienen, und mit Krumnagel veröffentlicht Peter 1971 seinen zweiten Roman, „zweifellos eines meiner besseren Bücher”, meint er im Nachhinein darüber.

Insgesamt erscheinen von Peter Ustinov 31 Bücher, darunter Romane, Kurzgeschichtenbände, Reiseberichte, Interviewbücher, Geflügelte Worte, sogar ein Kochbuch und andere Ustinovitäten.

Doch zunächst zurück zum Film und zurück ins Jahr 1960. Peter schlüpft erneut in römische Sandalen: für seine Rolle des Sklavenhändlers Lentulus Batiatus in Spartacus (mit Kirk Douglas in der Titelrolle) erhält er den Oscar für die beste Nebenrolle und spielt dabei nicht nur Tony Curtis glatt an die Wand – auch Laurence Olivier dankt Peter telegraphisch dafür, dass der neben ihm so gut gewesen sei.

1962 kehrt Peter Ustinov mit seinem Stück Endspurt zurück auf die Bretter, die die Welt bedeuten. In Deutschland wird das Stück zunächst mit Martin Held, später mit Heinz Rühmann triumphal umgesetzt. Endspurt wird zum meistgespielten Stück Peter Ustinovs.

Ein filmischer Endspurt ist allerdings noch lange nicht in Sicht; zur gleichen Zeit wie das Theaterstück läuft der Film Verdammte der Meere (Billy Budd) an, eine Adaption eines Kurzromans von Herman Melville und, wie Peter selbst findet, sein bester Film. Er führt Regie und übernimmt zugleich die Rolle des Kapitän Vere.



1964 folgt der nächste große Film – und der zweite Oscar. Peter erhält den Goldjungen diesmal für die Rolle des kauzigen Gauners Arthur Simpson in der Krimikomödie Topkapi, wo er an der Seite von Melina Mercouri und Maximilian Schell spielt.

Vier Jahre später versucht sich Peter Ustinov in neuen Gefilden, nicht zum ersten Mal, dafür aber mit einem großen Werk und enormem Erfolg: Er inszeniert Mozarts Zauberflöte und fünf Jahre später auch dessen Don Giovanni und erobert damit die Herzen der Opernfans im Sturm.

Aber dann wird es kriminell. Mit der preisgekrönten Agatha Christie-Adaption Tod auf dem Nil beginnen 1978 Peters Ermittlungen als belgischer Detektiv Hercule Poirot. Noch weitere fünf Mal begeistert er sein Publikum in dieser Rolle und klärt in Das Böse unter der Sonne (1982), Mord à la carte (1985), Tödliche Parties (1986), Mord mit verteilten Rollen (1986) und in Rendezvous mit einer Leiche (1987) mysteriöse Mordfälle auf.

Trotz detektivischer Schwerstarbeit bleibt noch Zeit für andere Fernsehrollen. So wirkt Peter in Jesus von Nazareth (1977) mit, spielt in In 80 Tagen um die Welt (1988), Die französische Revolution (1989) und in Lorenzos Öl (1992). Zudem produziert er Dokumentationen, z. B. über Russland und über den Vatikan, verleiht seine Stimme als Synchronsprecher und tritt ab 1990 mit seiner One Man-Show auf den Bühnen der Welt auf.

Sir Peter – wie er sich seit seinem Ritterschlag 1990 durch Queen Elizabeth II nennen darf – glänzt ein letztes Mal im Jahr 2003 als Kurfürst Friedrich der Weise in der europäischen Kinoproduktion Luther.