Oh, diese Ustinovs

Familie, Kriegs- und Lehrjahre

Geboren wird Peter Ustinov nach eigenem Bekunden „auf die übliche Weise” in London, und zwar am 16. April 1921. In seinen Memoiren nimmt der Versuch der Klärung seiner Abstammung mehr als 40 Seiten ein: Der Vater, Jona von Ustinov, „Klop” genannt, ist ein deutscher Repräsentant des Wolffschen Telegraphenbüros in London, die Mutter, Nadia Benois, ist eine französische Malerin und Bühnenbildnerin mit russischen und äthiopischen Vorfahren. Des weiteren finden sich spanische, polnische, italienische und jüdische Wurzeln in der Ustinovschen Familienhistorie.

So wird Peter der Sprachgenius also direkt in die Wiege gelegt: Er wächst viersprachig auf und eignet sich mit der Zeit auch noch diverse andere Sprachen an, die es ihm ermöglichen, fast immer mit seinem Gegenüber in dessen Landessprache parlieren zu können.

Peter wächst als Einzelkind auf – und umso mehr vergrößert sich im Lauf der Zeit seine Familienbande. Insgesamt ist er dreimal verheiratet, zuletzt für viele Jahre mit Lady Hélène, und hat vier Kinder. Tamara und Pavla treten in die Fußstapfen ihres Vaters und werden Schauspielerinnen, Andrea ist Goldschmiedin und Sohn Igor macht sich als Bildhauer einen Namen und führt das Vermächtnis seines Vaters im Kampf gegen Vorurteile fort. Zur Erinnerung an seinen Vater widmet er ihm 2005 die Skulptur „Open Minds”, die in Luzern/Schweiz öffentlich zu sehen ist.

Erste Schritte

Ein Eintrag in Peters Schulzeugnis lautet: „Peter beweist Originalität. Sie muss unter allen Umständen gezügelt werden.” – sein Wesen scheint nicht dauerhaft für den Schulbetrieb geeignet zu sein. Er verlässt die Westminster School dann auch im Alter von 16 Jahren zugunsten einer Schauspielausbildung am London Theatre Studio. Das Theater zieht ihn unwiderstehlich an, als ein Weg zur Flucht aus dem „tristen schulischen Konkurrenzkampf”, wie er uns in seiner Autobiographie „Ich und Ich” (1990) verrät. Schon zu Schulzeiten hatte er angefangen, Theaterstücke zu schreiben – das erste ist fünfzehn Seiten lang und als abendfüllendes Stück gedacht. Es bedarf also noch ein wenig des Feinschliffs in Sachen Dramaturgie, und fünf Jahre später ist es dann soweit: 1942 wird mit House of Regrets zum ersten Mal ein Stück von Peter Ustinov uraufgeführt.

Der Zweite Weltkrieg bremst den Aufstieg des Theatermenschen Ustinov fürs Erste: 1942-1946 steht auch bei ihm Armeedienst auf dem Spielplan. Um diese Zeit dennoch einigermaßen erträglich zu gestalten, wechselt Peter zu einer Einheit, die Lehrfilme für die britische Armee produziert. Carol Reed (der später mit Orson Welles den Klassiker Der dritte Mann dreht) ist sein neuer Kamerad und David Niven ist sein Vorgesetzter – eine durchaus angenehme Gesellschaft und für Peter eine glänzende Gelegenheit, erste Gehversuche beim Film zu unternehmen und nützliche Kontakte zu knüpfen.

Sein erstes eigenes Drehbuch zum Film School for Secrets beendet er 1946. Die Dreharbeiten sind ein willkommener Anlass, aus der Uniform und zurück in die Zivilkleidung zu schlüpfen. Die Besetzung für dieses frühe Werk kann sich bereits sehen lassen: Richard Attenborough und Ralph Richardson geben sich die Ehre.

Die folgenden fünf Jahre betrachtet Peter später als seine Lehrjahre. Zahlreiche Theaterproduktionen mit eigenen und fremden Stücken entstehen, werden aufgeführt und vom Publikum mal mehr, manchmal auch eher weniger begeistert aufgenommen, zwei weitere Filme werden produziert – kurz: für Peter Ustinov ist die zweite Hälfte der Vierziger Jahre eine Zeit voll des Schaffens und des Sammelns von Erfahrungen.

Doch was beendet schließlich diese öffentliche Lehrzeit?
Originalton Peter Ustinov: „Eine tadelnde Stimme von oben, die rief: ‚Wohin gehst Du?’ ”